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Beispiel: Alte Feuerwache Wuppertal – Alles unter einem Dach

Der Text ist ein Auszug aus dem Artikel "Under construction" von Sisko Zielbauer im info 01.2015 des PJW NRW. Als Projektleiterin koordinierte Sisko Zielbauer die Weiterbildungsmodule und begleitete die Praxisprojekte im Projekt "Under construction". Verantwortlich für die Projektverwaltung war die AGOT NRW e.V. (Nina Hovenga, Geschäftsführerin).

Ziel des Projekts war es, für alle BesucherInnen mit und ohne Behinderung wöchentlich verschiedene thematische inklusive Kleingruppen anzubieten: Gebärdenchor, Schreib-und Lesewerkstatt, Musische Gruppe, Kunstgruppe

Gebärdenchor

Im Rahmen des Gebärdenchors, der zweimal wöchentlich probte, wurde den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen durch die Mitarbeiterin Jenny Lietz, die selbst eine Hörschädigung hat, die Gebärdensprache in Grundzügen vermittelt. Sie lernten Liedtexte in Gebärdensprache zu übersetzen. So wurden sie für das Thema Schwerhörigkeit/Sinnesbehinderung sensibilisiert und entdeckten über die Sprache mit dem eigenen Körper spielerisch neue Kommunikationsmöglichkeiten. Die Dozentin, der es gelang eine gute Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, wurde als Person mit einer besonderen Fähigkeit wahrgenommen, da sie die Gebärdensprache spielerisch beherrscht und ihre Hörschädigung trat völlig in den Hintergrund.

Jenny Lietz, die Leiterin des Gebärdenchors berichtet: „Die Idee für den Chor kam mir durch ein hörgeschädigtes Mädchen (12 Jahre alt), welches Schwierigkeiten und Schamgefühle vor den Kindern im Umgang mit ihrer Hörschädigung hatte. Ich wollte ihr helfen, sich in der hörenden Welt besser zurechtzufinden und selbstbewusster damit umzugehen.“(...) „Zunächst ist es mir beim Chor sehr wichtig, dass die Lieder bestimmte Kriterien erfüllen. Sie müssen also möglichst motivierende, lebensbejahende und trotzdem altersgerechte Texte haben. Gebärdensprache drückt man mit dem Körper aus. Sie ist somit in meinen Augen viel intensiver als die Lautsprache. Die Worte werden den Kindern so bewusster gemacht.“

Die Workshops
Die verschiedenen thematischen Workshopgruppen haben sich nach und nach miteinander verknüpft und gegenseitig unterstützt. Ziel war es, das prozessorientierte Arbeiten zu unterstützen und inhaltliche interdisziplinäre Verbindungen zwischen den Themen herzustellen.
So hat sich die Schreib- und Lesewerkstatt im Lauf der Arbeit mit der Kunstgruppe verbunden und zu einer „Kalligrafie Gruppe“ entwickelt. Den Impuls, dass Kinder sich mit Buchstaben und deren möglichen Schreibweisen beschäftigen, eine Liebe zu ihnen entwickeln, zur Ruhe kommen und es lernen, wertvolles Papier und kunstvolle Stifte zu schätzen, gab die Leiterin des Gebärdenchors, deren Hobby Kalligrafie ist.
Die Gründung einer Kalligrafiegruppe wurde unter ihrem Einfluss und durch ihr Vorbild von den Kindern begeistert angenommen. Unter anderem gestalteten die TeilnehmerInnen Postkarten, z. B. mit kalligrafischer Darstellung des Anfangsbuchstabens des Empfängers, schrieben kleine Geschichten oder Botschaften darauf und sendeten sie an ein Familienmitglied oder Freunde. Sie genossen die „andere Art“ der Kommunikation und Begegnung abweichend vom üblichen Austausch über SMS oder Chat.

Die Mischung von Teilnehmern mit und ohne Behinderung führte zu einer rhythmisierten Workshopstruktur mit Pausen und ruhigen Einheiten, was die Kinder und Jugendlichen entspannt und zu „entschleunigen“ scheint. Die TeilnehmerInnen konnten von den unterschiedlichen Herangehensweisen und Ideen profitieren. In einer Atmosphäre von Aufmerksamkeit und Ruhe war es einfacher, sich gegenseitig wahrzunehmen und zu schätzen. Auch die Musiktheatergruppe profitierte von dem intensiven Austausch der Gruppen untereinander. So fand die Gruppe auf Trommeln, die in der Kunstgruppe gebaut wurden, zum Thema Bodypercussion, zu Klatschspielen und kleinen rhythmischen Tänzen. Den Höhepunkt der gemeinsamen Gruppenarbeit stellte ein gemeinsamer Auftritt der Musiktheatergruppe mit dem Gebärdenchor dar. Auf Festen und öffentlichen Veranstaltungen ist der Gebärdenchor mit seinen ausdrucksstarken, lebendigen fast tänzerisch anmutenden Auftritten sehr beliebt.

 



 
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