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Fakten für eine Standortbestimmung auf dem Weg zu einer Kinder- und Jugendarbeit mit inklusiven Gestaltungsprinzipien

Fakt 1
Kinder- und Jugendarbeit hat Potentiale für den Weg zur Inklusion: Sie ist lebenswelt- und ressourcenorientiert, sie stellt Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt, sie hat Erfahrungen mit neuen Öffnungsprozessen, sie verfügt über ein weitreichendes Netz von Engagierten und Räumlichkeiten.

Fakt 2
Kinder- und Jugendarbeit basiert auf den Peer-Beziehungen von jungen Menschen und stellt ihre Interessen in den Vordergrund. Sie gestaltet sich durch die Anliegen von Kindern und Jugendlichen und folgt der Eigenlogik ihrer Kulturen. Inklusion kann in diesem weitgehend selbstorganisierten Arbeitsfeld mit geringem Machtgefälle nicht von oben verordnet werden. Sie muss von den beteiligten Kindern und Jugendlichen gewollt sein.

Fakt 3
Kinder- und Jugendarbeit bietet Räume der Selbstorganisation und Interessenvertretung von jungen Menschen. Allen Kindern und Jugendlichen diese Möglichkeiten zu bieten, ist eine hohe Herausforderung. Neue Beteiligungs- und Partizipationsformen sind zu entwickeln und zu erproben, so dass alle Kinder und Jugendlichen mit ihren Anliegen Gehör finden und ihre Interessen selbst vertreten können.

Fakt 4
Den inklusiven Prozess in der Kinder- und Jugendarbeit zu managen, erfordert personelle und auch finanzielle Ressourcen. Ihn zu gestalten, geht nicht immer nur „nebenbei“. Und trotzdem: Inklusive Prinzipien zu ermöglichen, gehört zum „Kerngeschäft“ von Akteuren und Akteurinnen in der Kinder- und Jugendarbeit. Eine neue Prioritätendebatte ist notwendig.

Fakt 5
Eine inklusiv gestaltete Kinder- und Jugendarbeit ist eine barrierefreie Kinder- und Jugendarbeit. Hindernisse in Sprache, Zugang und Räumlichkeiten sind zu überwinden. Eine für alle verständliche Sprache und barrierefrei gestaltete Angebotsorte sind ein Schlüssel auf dem Weg zur Inklusion.

Fakt 6
Der zentrale Perspektivenwechsel liegt darin, Kinder und Jugendliche zu allererst und konsequent als Kinder und Jugendliche wahrzunehmen, frei von jeglichen Zuschreibungen. Die Suche nach gemeinsamen Interessen und Anliegen steht im Vordergrund. Dabei erhalten entwicklungsspezifische Aspekte in der Kinder- und Jugendarbeit eine neue Bedeutung.

Fakt 7
Inklusive Wege zu einer Kinder- und Jugendarbeit mit inklusivem Gestaltungscharakter erfordern Vernetzung. Gerade die Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Diensten der Behindertenhilfe ist oft eine neue Herausforderung. Die große Chance liegt darin, bisher unentdeckte Potentiale gemeinsam zu entfalten. Eine Kinder- und Jugendarbeit auf dem Weg zu inklusiven Gestaltungsprinzipien ist auf die Bereitschaft der kooperativen Öffnung der Behindertenhilfe, aber auch der Jugendsozialarbeit, der Migrationsfachdienste und anderer Partner angewiesen.

Fakt 8
Kooperationen von Kinder- und Jugendarbeit und Schule nehmen im Kontext von Inklusion eine noch stärkere Bedeutung ein als bisher. Gewinnen die Konzepte einer inklusiven Schullandschaft an Kontur, bietet sich hier ein guter Ort für gelingende Kooperationen mit neuem Anspruch.

Fakt 9
Inklusive Kinder- und Jugendarbeit basiert auf der inklusiven Haltung von ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven in der Arbeit vor Ort, in den Verbänden und den Institutionen. Die Auseinandersetzung mit inklusiven Kulturen, Leitlinien und Praktiken gehört in die Aus- und Fortbildung dieser Aktiven. Eine gezielte, offensive Information dieser Beteiligten ist erforderlich.

Fakt 10
Kinder- und Jugendfreizeiten bieten für alle Beteiligten eine besondere Chance, ermutigende Erfahrungen mit inklusiven Konzepten in der Kinder- und Jugendarbeit zu machen. Sie können zum Experimentierfeld neuer Kooperationen auf dem Weg zu Inklusion werden.

Fakt 11
Eltern haben eine besondere Rolle, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche mit Behinderung und oft auch junge Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen. Im Kontext von Inklusion kommen Eltern damit für die Kinder- und Jugendarbeit neu ins Blickfeld.

Fakt 12
Die Attraktivität der Kinder- und Jugendarbeit kann durch inklusive Gestaltungsprinzipien erhöht werden. Genau das mit gelingenden Beispielen innerhalb der eigenen Strukturen von der Basis bis zur Bundesebene aufzuzeigen, schafft Motivation für die Umsetzung neuer Konzepte. Eine interne Profilschärfung wie eine Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit über die Strukturen von Kinder- und Jugendarbeit hinaus, zeigt den wichtigen Beitrag von Kinder- und Jugendarbeit für den Weg zu einer inklusiven Gesellschaft.

Quelle: Ergebnis der gemeinsamen Fachtagung von Aktion Mensch, aej, Diakonie Deutschland „Auftrag Inklusion – Perspektiven für einen neue Offenheit in der Kinder- und Jugendarbeit“, Gunda Voigts, Stand Juni 2014

 



 
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