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Geflüchtete Kinder und Jugendliche – willkommen in der Kinder- und Jugendhilfe!?

„Ich heiße Saad Saad. Mein Name bedeutet auf Arabisch Hoffnung / Hoffnung und auf Englisch Traurig / Traurig“. (Eric-Emmanuel Schmitt, Odysseus aus Bagdad)

Die Zahl der in 2015 gestellten Asylanträge lag laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis einschließlich November bei 425.035, davon sind geschätzt mehr als ein Drittel Kinder und Jugendliche - ein Teil von ihnen sogenannte Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UmF). Für NRW zählte man im November 8.500 UmF. Im Rahmen der bundesweiten Umverteilung ist mit weiteren 3.500 Jungen und Mädchen auf insgesamt 12.000 Minderjährige in NRW zu rechnen.

Das Kinder- und Jugendhilfegesetzes gilt für alle Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland leben - auch für die (unbegleitet) Geflüchteten. Es stellt im § 1 (Abs. 1, SGB VII) unmissverständlich klar: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“.
Seit dem 01.11.2015 regelt zudem das „Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher“ die bundesweite und landesweite Verteilung der UmF und deren Inobhutnahme. Alle Jugendämter müssen sie demnach gemäß Königsteiner Schlüssel aufnehmen; die öffentlichen und freien Träger müssen entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten und Förderungen vorhalten. Dieses 5. AG-KJHG als Ausführungsgesetz in NRW bedarf einer Evaluation und eines Monitoring.

All das wird die Kinder- und Jugendhilfe aktuell vor große Herausforderungen stellen.

Das darf nicht dazu führen, dass die fachlichen Standards der Kinder- und Jugendhilfe (wie z.B. Wunsch- und Wahlrecht, Partizipation, rechtliche Vertretung, etc.) vernachlässigt werden. Auch die Regeln zur Alterseinschätzung und zum Zugang zur altersgemäßen medizinischen und therapeutischen Versorgung müssen eingehalten werden.

Das Paritätische Jugendwerk NRW fordert:

  • Wenn zeitlich befristete Notlösungen gegen Obdachlosigkeit beendet sind, müssen die Standards der Kinder- und Jugendhilfe in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen aufrechterhalten bzw. umgesetzt werden.
  • Der Kinderschutz muss uneingeschränkt gewährleistet sein.
  • In den Flüchtlingsunterkünften muss es geschützte Räume für Kinder und Jugendliche geben.
  • Geschlechtstypische Schutzbedingungen müssen geschaffen werden.
  • Ein tragfähiges Netzwerk mit Traumapsychologen/innen und Traumapädagogen/innen muss aufgebaut und bezahlt werden.
  • Die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe müssen für die neuen Aufgaben im Umgang mit Flüchtlingen weitergebildet werden.
  • Die Kultur- und Sprachmittler/innen in der Jugendhilfe müssen angemessen entlohnt werden.
  • Das freiwillige Engagement der Zivilgesellschaft muss professionell begleitet werden.
  • Über die aktuelle Krisenbewältigung hinaus muss die Integration als langfristige Aufgabe gesehen und ernst genommen werden.

So kann sich zeigen, dass die interkulturelle Öffnung als ein Teil diversitätsbewusster Kinder- und Jugendhilfe vorhanden und belastbar ist und dass Deutschland die UN Kinderrechtskonvention vollumfänglich umsetzt.

Wir erinnern daran, dass die Kinder- und Jugendhilfe in NRW schon seit Jahren eigene Erfahrungen in der Arbeit mit Flüchtlingskindern sammeln konnte. Gerade die Mitgliedsorganisationen des PJW verfügen hier über Kompetenzen, die sie ein- und umsetzen können

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung des PJW NRW am 11.12.2015

 



 
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