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PJW NRW positioniert sich erneut gegen Rechtsextremismus

Der Hintergrund

Die Mordserie und die Anschläge der neonazistischen Terrorzelle NSU haben uns zutiefst erschüttert und erschreckt. Unser Mitgefühl gilt vor allem den Familien und Angehörigen, die durch diese Morde geliebte Menschen verloren haben. Wir gedenken der Opfer: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, HabilKılıç, Mehmet Turgut, Ismail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michéle Kiesewetter.

Es ist unfassbar, dass die Neonazis – trotz Beobachtung durch die Behörden – untertauchen und über ein Jahrzehnt unerkannt morden konnten. Jahrelang haben die Behörden rassistische Hintergründe ausgeschlossen. Einseitig wurde im Umfeld der Opfer ermittelt und damit Vorurteile bedient, die die Angehörigen auf unerträgliche Weise zusätzlich belastet haben.

Seit 1990 wurden in Deutschland 182 Menschen durch Angriffe von Neonazis und aus rassistischem Hass ermordet - davon 29 Tote in Nordrhein – Westfalen (Angaben der Amadeu Antonio Stiftung). Terrorangriffe wie der Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße verbreiten Angst und Schrecken. Nicht gezählt sind die alltäglichen Diskriminierungen und Abwertungen, die Menschen in dieser Gesellschaft immer wieder erfahren müssen – weil sie wegen ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung, ihrem Namen, ihrer Herkunft oder wegen der Heimat ihrer Eltern und Großeltern, als „Fremde“ abgestempelt werden. Die Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt und Diskriminierung bleiben häufig mit den psychischen und finanziellen Folgen allein. Hier bedarf es verstärkter Hilfe, Unterstützung und unser aller Solidarität.

Das PJW NRW

Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus darf aber nicht nur die Gewalttaten der organisierten rechten Szene beinhalten und auch nicht nur auf die verstärkte Beobachtung und Bekämpfung durch die Behörden reduziert werden. Um Rechtsextremismus nachhaltig entgegen treten zu können, muss der gesellschaftliche Nährboden in den Blick genommen werden und bestehende Verbote sind durch die staatlichen Behörden durchzusetzen.
Wichtiger als ein Verbot der NPD ist die gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung mit extrem nationalistischen, rechtspopulistischen, rassistischen, antisemitischen, homophoben, islamfeindlichen und sozialchauvinistischen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft. Dazu können zivilgesellschaftliche Akteure, Initiativen, Bündnisse, Vereine und Verbände und insbesondere auch die Jugendarbeit, Jugendbildungsarbeit und Jugendsozialarbeit in vielfältiger Weise aktiv werden. Die Jugendarbeit trägt mit dazu bei, demokratische Potenziale zu aktivieren, interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln, Jugendliche zu befähigen an der Gestaltung der Gesellschaft zu partizipieren und eine vielfältige und bunte, nicht-rechte Jugendkultur zu fördern.
Hierzu bedarf es aber einer Unterstützung und Qualifizierung der Ehrenamtlichen und der Fachkräfte der Jugendarbeit durch Initiativen, Beratungsstellen und Mobile Beratungsteams, die die rechte Szene beobachten und analysieren, Bildungsbausteine und Angebote konzipieren und vor Ort Beratung und Unterstützung anbieten.
Der Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW bietet gute Möglichkeiten, dies in Projekten umzusetzen!

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich Nazis längst betont sozial und bürgernah geben. Sie präsentieren sich als „Kümmerer“, die sich der Sorgen der Menschen annehmen. Familienfeste, Fußballturniere, Hausaufgabenhilfe, Beratungen zum Thema ALG II oder gar die Gründung von „Nationalen Jugendzentren“ sind Angebote mit denen die extreme Rechte ihren „Kampf um die Köpfe“ gewinnen will. Verbunden ist diese Strategie mit dem Versuch, Vereine und Verbände zu unterwandern und Funktionen und ehrenamtliche Tätigkeiten z.B. in Elternbeiräten, sozialen Initiativen oder Bürgerinitiativen zu übernehmen.

Den Bestrebungen der extremen Rechten, im sozialen Bereich Fuß zu fassen erteilen wir als Paritätisches Jugendwerk NRW zusammen mit unseren Mitgliedsorganisationen eine kompromisslose Absage: Sozial geht nicht mit Rechtsextremismus!

Das Paritätische Jugendwerk NRW setzt sich entschieden gegen rassistische und nationalistische Ideologien und jegliche Form der Ausgrenzung und Menschenverachtung ein. Mit seiner Arbeit treten das Jugendwerk und seine Mitgliedsorganisationen in mannigfacher Weise für eine soziale, solidarische und vielfältige Gesellschaft ein. Deswegen ist für uns auch die interkulturelle Öffnung unseres Verbandes ein zentrales Anliegen. Für uns sind Menschen mit Unterschieden in Hautfarbe, Religion, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Behinderung oder sozialen Benachteiligungen eine unverzichtbare Bereicherung für eine bunte, vielfältige Gesellschaft, die miteinander lebt und voneinander lernt.

Wir danken dem PJW Niedersachsen für die Resolution „Sozial geht nicht mit Rechtsextremismus – Bunte Vielfalt Sozial gestalten!“, die auch uns zu der vorliegenden Positionierung angeregt hat.

Verabschiedet von der Mitgliederversammlung des PJW NRW am 09.11.2012

 



 
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