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Junge Geflüchtete im Fokus rassistischer Anfeindungen und rechter Mobilisierungen

Geflüchtete sind zunehmend rassistischen Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt. Eine rassistische Abwertung von Geflüchteten findet sich nicht nur am rechtsextremen Rand, sondern auch in der Mitte der Gesellschaft wie einschlägige Studien belegen. Liegt die allgemeine Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit bei 19% in der Bevölkerung, so findet man mit 49,5% besonders starke Ressentiments gegen Flüchtlinge (Studie von Zick, Küpper, Krause, Gespaltene Mitte. 2016). Außerdem erfahren besonders junge Flüchtlinge alle Formen von Hetze und Gewalt wie eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes herausgefunden hat. 88 Prozent der Anlauf- und Beratungsstellen gaben an, dass Geflüchtete im Gespräch von Diskriminierungserfahrungen berichten. 85 Prozent der Beschäftigten und Ehrenamtlichen erleben darüber hinaus bei ihrer Arbeit selbst, dass geflüchtete Menschen diskriminiert werden. Die Benachteiligungen finden überwiegend aufgrund der ethnischen Herkunft bzw. aus rassistischen Gründen, aber auch aufgrund der Religion und des Geschlechts statt und finden sich in ganz vielen Bereichen wieder (s. auch die Materialien der Antidiskriminierungsstelle des Bundes).
Diese Erfahrungen von Ablehnung und Gewalt sind deshalb besonders menschenverachtend und verunsichernd, weil viele der schutzsuchenden jungen Geflüchteten traumatischen Gewalterfahrungen in den Kriegsgebieten und auf der Flucht ausgesetzt waren. Sie bedürfen deshalb eines besonderen staatlichen Schutzes und der Solidarität der Zivilgesellschaft.

Die Aktionsgemeinschaft bezieht eine eindeutige Position gegen jegliche Formen des Rassismus und der Diskriminierung gegen junge Geflüchtete. Von daher sind Angebote des Empowerment, der Selbstorganisation und der Partizipation sowie des Kindes- und Jugendschutzes und andere Jugendhilfemaßnahmen des Staates notwendige Aufgaben, auf die minderjährige Geflüchtete einen Anspruch haben. Angebote und (internationale und interreligiöse) Begegnungsprojekte der verbandlichen und offenen Jugendarbeit mit Geflüchteten und Projekte der interkulturellen Jugendarbeit sind besonders zu fördern.

Immer wieder gibt es Fälle von rassistischer, sexistischer, ethnischer und religiöser Diskriminierung, Missbrauch sowie gewalttätige Übergriffe, auch von Flüchtlingen untereinander, aber auch durch Mitarbeitende in der Flüchtlingsarbeit. Deshalb bedürfen ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende einer rassismuskritischen Sensibilisierung und Qualifizierung.

Neben Flüchtlingsberatungsstellen, kommunalen Integrationszentren und den Integrationsagenturen der Wohlfahrtsverbände gib es in NRW spezialisierte Beratungs- und Qualifizierungsstrukturen wie die Mobilen Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus NRW in den Regierungsbezirken (www.mobile-beratung-nrw.de), die Opferberatungsstellen in Rheinland (www.opferberatung-rheinland.de) und Westfalen/Backup (http://www.backup-comeback.de), die Gewalt Akademie Villigst (http://www.gewaltakademie.de), das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in NRW (http://www.ida-nrw.de) und das Anti-Rassismus Informations-Centrum, ARIC-NRW e.V. (http://www.aric-nrw.de) sowie andere. Koordiniert wird das Landesnetzwerk NRW von der Landeszentrale für politische Bildung (http://www.nrweltoffen.de).



[10. Dezember 2018]

 



 
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