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Ausbildungs- und Erwerbssituation geflüchteter Jugendlicher

Die meisten der jungen zugewanderten Menschen werden dauerhaft in NRW bleiben. Allen jungen Menschen Teilhabe zu sichern heißt, auch zugewanderten Kindern und Jugendlichen –unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus –uneingeschränkte Zugänge zu Bildung und Ausbildung zu eröffnen.

Grundrechte zur beruflichen Teilhabe
Die Sprache ist der Schlüssel zur sozialen Teilhabe. Die Ausgangsbedingungen für den Erwerb der deutschen Sprache sind bei geflüchteten jungen Menschen sehr unterschiedlich. Die Angebote, Deutsch zu lernen, müssen sich an diesen unterschiedlichen Voraussetzungen ausrichten und bedarfsgerecht ausgebaut und angeboten werden. Bildungswege, Hilfestellungen zur beruflichen Orientierung und Berufsvorbereitung müssen so flexibel gestalten werden, dass die individuelle Ausgangslage junger geflüchteter Menschen berücksichtigt wird.

Das Recht auf Bildung gilt für alle
Nach Artikel 8 Absatz 2 der Verfassung für das Land Nordrhein- Westfalen besteht allgemeine Schulpflicht. Nach § 1 Schulgesetz hat jeder junge Mensch, unabhängig vom Aufenthaltsstatus ein Recht auf schulische Bildung, Erziehung und individuelle Förderung. Dies folgt auch aus Art. 28 UN-Kinderrechtskonvention. Das Schulgesetz NRW reglementiert allerdings in den Paragrafen 34 bis 41, dass schulpflichtig nur Kinder und Jugendliche sind, die in Nordrhein-Westfalen einer Kommune zugewiesen sind. Die Aktionsgemeinschaft fordert, dass das Recht auf Bildung auch für geflüchtete Kinder und Jugendliche gilt, die in Erstaufnahme bzw. Landeseinrichtungen leben.

Schulsozialarbeit fördert Integration
Schulsozialarbeit fördert und ermöglicht schulische Integrationsprozesse. Um den Einstieg von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen in die Schule zu meistern, brauchen diese dringend mehr sozialpädagogische Unterstützung – nicht nur, aber auch für die „Einstiegs- oder Willkommensklassen“. Die bis Ende 2017 vom Land ersatzweise übernommene Förderung der Schulsozialarbeit muss ab 2018 dauerhaft gesichert und da, wo noch unzureichend, ausgebaut werden.

Angemessene Angebote für berufliche Orientierung – Ergänzung des Landesvorhabens „Kein Abschluss ohne Anschluss“
Geflüchteten schulpflichtigen Jugendlichen als Seiteneinsteiger und jungen Erwachsenen nach Beendigung der allgemeinen Schulpflicht, ist nachträglich die Möglichkeit einer unterstützten vertieften Berufsorientierung über eine Landesförderung zu ermöglichen. Die vorhandenen Konzepte der Berufsorientierung müssen entsprechend angepasst und so weiterentwickelt werden, dass sie nicht ausschließlich sprachbasiert ausgerichtet sind.

Ausbildung unabhängig vom Aufenthaltsstatus ermöglichen
Derzeit bestimmen der Aufenthaltsstatus bzw. die Bleibeperspektive welche Ausbildungs- und berufsvorbereitenden Angebote jungen Flüchtlingen gewährt werden: Wer von Abschiebung bedroht ist, hat schlechtere Chancen, einen Ausbildungs - und Arbeitsplatz zu erhalten. Die ständig gegenwärtige Bedrohung, abgeschoben zu werden, beeinflusst die individuellen Lernleistungen und den Ausbildungserfolg negativ. Unabhängig von ihrer Bleibeperspektive müssen junge Menschen während der Ausbildung einen sicheren Status erhalten. Die Aktionsgemeinschaft Junge Flüchtlinge NRW spricht sich dafür aus, dass junge Erwachsene mit Fluchterfahrung einen uneingeschränkten Zugang zu Angeboten der Berufsvorbereitung erhalten. Die gesamte Palette der Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit, die junge Menschen dabei unterstützt, in eine duale oder auch vollzeitschulische Ausbildung einzumünden oder diese zu absolvieren, muss allen - auch geduldeten - Jugendlichen ohne Einschränkungen offen stehen.

Förderangebote flexibilisieren
Die Rahmenbedingungen der Förderangebote müssen flexibilisiert werden, damit auch die besonderen Bedarfe der Zielgruppe der jungen Menschen mit Fluchterfahrung Berücksichtigung finden können. Die Einstiegsqualifizierung (EQ) ist auch für junge Flüchtlinge ein erster Schritt in einen potenziellen Ausbildungsbetrieb. Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) vor Ort können hier durch Sprachförderung und fachtheoretische Unterstützung eine gute Ergänzung bieten. Das Instrument der Assistierten Ausbildung muss jungen Geflüchteten offen stehen.

Bleibeperspektive für Auszubildende
Auszubildende ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und ihre Ausbildungsbetriebe benötigen eine langfristig sichere Bleibeperspektive für den/die Auszubildende. Die Betriebe als Ausgleich dafür, dass die ersten Ausbildungsjahre für sie mit Kosten und persönlichen Aufwendungen verbunden sind, die Auszubildenden, damit sie ihre Ausbildung in Ruhe abschließen und anschließend noch ihre berufliche Praxis erweitern können.

 



 
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